![]() Die Waterloo-Eiche auf dem Klusberg "... Im nächsten Jahre war das fünfzigste Jubelfest der Schlacht bei Waterloo, die als der größte Hannoveranersieg galt. Da wurde eine Erinnerungseiche gepflanzt oben auf der kahlen Höhe nördlich des Dorfes, wo man den Blick hat auf Pöhlde und den langgestreckten Rotenberg, der die Grenze des Eichsfeldes bildet. Es war aber schon ein ansehnlicher Stamm, der da in das Erdreich gesetzt wurde. Abends bei einbrechender Dunkelheit war die eigentliche Feier. Die Männer zogen mit brennenden Fackeln hinauf auf die Höhe. Die Frauen und Mädchen singend hinterdrein. Hans durfte an der Hand Bruder Gottfrieds mitmarschieren. Von Hörden her kam die Kutsche des Edelhofes, die den alten Gutsbesitzer Laurentius brachte und als Hauptperson der ganzen Feier dessen sechsundachzigjährigen unverheirateten Bruder, den Leutnant, den alten Waterlookämpfer mit seinen Orden. Die Laurentius waren große, dünne Leute von bescheidenen aber vornehmen Wesen. Der etwas kleinere und noch dünnere Leutnant unterschied sich von seinem bartlosen Bruder auch durch seinen dunklen Schnurrbart im Stil des alten Dessauers, auch umrahmte eine schwarze Perücke sein kleines, von zahlreichen Runzeln durchzogenes Antlitz. Aber im Scheine des auf dem Festplatz entfachten großen Feuers und der lohenden Fackeln sah der feine alte Krieger, in straffer Haltung neben der neugepflanzten Eiche stehend, wie ein Jüngling aus längst versunkenen Zeiten aus und war der Gegenstand allgemeiner Huldigung und Begeisterung. Die Ansprache, die er eigentlich halten sollte, hatte er jedoch auf seinen Bruder Gottfried übertragen. Dessen Rede gefiel den lauschenden Dorfleuten gut, noch mehr wohl die herzliche, offene, aber energische Art des Redners. "Wenn die Ole mal afgeiht, denn willt wi düssen!", sagten sie. Die letzte Fackelglut benutzte man, um sich in der Dunkelheit den Weg hinunter zum Dorfe zurück zu suchen unter den Jubelklängen des Liedes: "Lust'ge Hannoveraner, das sein wir!" Das war am 18. Juni 1865." Auszug aus: SOHN, Heinz: Die Chronik von Hattorf.- Erstveröffentlichung auf hattorf-online.de [ zurück ] |